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Blogs im Fluss

Das Neueste aus Hamburgs User Experience Blogs. Die Original-Artikel sind jeweils im Datum verlinkt.

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Public posts from @uxHH@hci.social & Das Neueste aus Hamburgs User Experience Blogs

Fri, 23 Oct 2026 10:01:00 +0000

Healing Soundscapes: Vom Prototyp zum Patent

Seit der Eröffnung des ligeti zentrums legt das Projekt Healing Soundscapes so etwas wie einen Raketenstart hin. Ein Überblick über die Entwicklungen.

Wartebereiche im Krankenhaus sind steril und mit allerlei Anspannungen verbunden. Hier wippt ein Patient unruhig mit dem Bein, während er auf eine Ärztin wartet. Dort sitzt ein besorgter Besucher, der um eine Angehörige bangt. Türen öffnen und schließen sich. Stuhlbeine rutschen über den Linoleumboden. Für Räume wie diese entwickelt ein interdisziplinäres Team am ligeti zentrum die sogenannten Healing Soundscapes: unaufdringliche Hintergrundklänge, die in stressbehafteten Umgebungen positiv auf das menschliche Wohlbefinden einwirken.

Seit der Eröffnung des ligeti zentrums im Jahr 2023 legt das Projekt, das Prof. Dr. Sebastian Debus (UKE), Prof. Dr. Eckhard Weymann (HfMT) und Prof. Dr. Georg Hajdu (HfMT) gemeinsam ins Leben riefen, so etwas wie einen Raketenstart in Richtung einer zukünftigen Ausgründung hin. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) laufen die musikalischen Klanginterventionen mittlerweile in diversen Bereichen. Im März 2025 gelang ein erster bürokratischer Meilenstein: Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) nahm die Bildmarke „Healing Soundscapes“ in das Register der Unionsmarken auf. Rund eineinhalb Jahre später folgt nun die Patentanmeldung für den „Healing Soundscaper“, eine kombinierte Hard- und Software-Lösung für das Abspielen generativer Klanginstallationen im Gesundheits- und Kulturbereich. Derweil wächst das Interesse an den Klanginterventionen weiter – sogar weit über die Grenzen Hamburgs hinaus.

Partizipativer Implementierungsprozess

Um Wartezimmer klanglich zu gestalten und die Atmosphäre gezielt zu modifizieren, stellte das Team von HfMT und UKE zunächst einmal ganz grundlegende Fragen. „Was ist das für ein Raum?“ Schnell zeichneten sich verschiedene Parameter und Merkmale ab: Handelt es sich um ein Durchgangszimmer, das sehr offen und unruhig gestaltet ist? Wie steht es um die Helligkeit und die Raumtemperatur? Analysierende Fragen richtete das Team auch an sogenannte Patientenbotschafter:innen, eine Gruppe von im UKE ausgebildeten Patient:innen und Angehörigen, die das Projekt durch Feedback begleitet. „Wir wollten wissen, was ein Raum brauchen könnte“, erläutert die Musiktherapeutin Dr. Pia Preißler, die das Projekt am UKE leitet. „Was sollte der Raum dazugewinnen, um das Warten angenehmer zu gestalten?“ Der direkte Austausch mit Patient:innen, Besuchenden und Personal sei auch jetzt, wo Healing Soundscapes bereits in verschiedenen Krankenhausbereichen dezent und im Hintergrund zu hören sind, extrem wichtig.

Dass sich die benötigten Soundscapes mit dem Kontext eines Raumes verändern, wurde spätestens dann deutlich, als das Team sich in OP-Säle vorbewegte. Hier arbeiten Menschen hochkonzentriert und es piepst dabei fast durchgehend. Der entspannende Ansatz der Klanginterventionen komme aber auch hier zum Tragen. „Einige Operationen dauern sehr lange“, erklärt Pia Preißler. „Besonders bei Routineeingriffen gibt es Phasen, in denen das Team kurz durchatmen kann. Dann braucht es aber auch wieder hohe Aufmerksamkeit.“ Das stelle besondere Anforderungen an die Kompositionen.

(Inter-)Nationaler Anklang

Längst schlägt das Healing-Soundscapes-Projekt auch regionale und überregionale Wellen. Im Hamburger Albertinen Haus, einer Wohn-Pflegeeinrichtung mit Therapiezentrum, laufen die Soundinterventionen im Rahmen des Projekts „SmartAging“ schon bald in der sogenannten Community Corner. „Das wird spannend, weil es sich hier um einen Aufenthalts- anstelle eines Wartebereichs handelt“, sagt Pia Preißler. „Mit den Bewohnern haben wir bereits einen Workshop durchgeführt und ihnen Kompositionsausschnitte vorgestellt. Einige wurden abgelehnt, andere willkommen geheißen. Aus letzteren wurde eine Soundscape zusammengestellt, die wir jetzt gerade testen.“

Sogar in Peking, China, wirken die Healing Soundscapes seit August 2026 – in einem Aufenthaltsraum im National Center for Mental Health, der auch für Musiktherapien genutzt werden soll. Der bewährte Ansatz ließe sich auch hier übertragen, so Prof. Dr. Georg Hajdu, Leiter des ligeti zentrums und Hauptentwickler der Healing-Soundscapes-Software. „Es geht im Prinzip um mentale Gesundheit. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen runterkommen können.“

Schritte in Richtung der Markreife

Mit der Anmeldung des Patents für den „Healing Soundscaper“ sei ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung der Marktreife getan. „Zunächst einmal musste die Hochschule zustimmen, dass sie das Patent beanspruchen möchte“, berichtet Georg Hajdu. Dieser Schritt wurde mit der HfMT erfolgreich gegangen. „Jetzt kommen wir an einen Punkt, wo die Skalierbarkeit eine große Rolle spielt“, so der Entwickler weiter. „Die Voraussetzungen dafür haben wir bereits geschaffen.“ Dennoch heiße das Mantra noch immer „testen, testen, testen“. „Man muss diesen Systemen so sehr auf den Puls fühlen, dass sie ein halbes Jahr ohne Aufsicht laufen können. Wenn das erreicht ist, können wir das Produkt final in die Wirklichkeit entlassen.“

Stellvertretend für das interdisziplinäre ligeti zentrum sei das Projekt schon jetzt ein Riesenerfolg. „Jedes Projekt, das es bis zur Marktreife schafft, kann als Modell für andere Projekte dienen“, ist der Projektleiter überzeugt. Vor allem das Wissen um Abläufe und nötige Schritte sei hilfreich. „Ein Projekt muss einfach vorpreschen und den Weg bahnen.“

Dieser Artikel erschien im Oktober 2026 in Print in Ausgabe 39 der zwoelf, der Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 
Titelfoto: Healing Soundscapes im National Center for Mental Health in Peking, China | Foto: Prof. Dr. Georg Hajdu
Healing Soundscapes hören

Wie klingen die Healing Soundscapes? Ein Stereo-Stream der Soundscape für die Zentrale Notaufnahme des UKE kann fortan über diesen Link angehört werden. 

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Wed, 21 Oct 2026 08:33:42 +0000

Mehrkanal to go: Das Lautsprecher-Orchester

Sie lassen sich in Bäume hängen, im Kreis aufstellen oder einfach unter den Arm klemmen: Im InnoLab des ligeti zentrums entwickelten Marcus Weseloh und Prof. Dr. Jacob Sello 2024 die ersten Snappi-Lautsprecher aus klassischen Industriekomponenten und 3D-gedruckten Gehäusen. Anders als herkömmliche Stereo-Lautsprecher lassen sich diese kugelrunden, kabellosen Lautsprecher per WLAN-Verbindung in beliebigen Anordnungen miteinander verbinden und kombinieren. Sie bieten Mehrkanal-Klangbilder zum Mitnehmen – und laden mit nur rund 100 Euro Materialkosten und quelloffener Software auf GitHub zum Selbstbau ein.

Im Vergleich zu fest installierten Lautsprechern sind bewegliche Klangquellen noch längst nicht ausgereizt

Snappi-Lautsprecher im Einsatz bei der Kulturnacht im ligeti zentrum: Durch die kabellose Aufmachung lassen sich die Lautsprecher frei im Raum verteilen | Foto: Prof. Dr. Jacob Sello
Snappi-Lautsprecher im Einsatz bei der Kulturnacht im ligeti zentrum: Durch die kabellose Aufmachung lassen sich die Lautsprecher frei im Raum verteilen | Foto: Prof. Dr. Jacob Sello

Während der Sound selbst zu Beginn noch im zentralen Fokus der Entwicklung stand, geht es mittlerweile vor allem um die Optik und das passende Größenverhältnis. „Ich baue fast ausschließlich unterschiedliche Lautsprecher“, erklärt Jacob Sello und kommt auf die Vor- und Nachteile zu sprechen. Wer das perfekte Surround-System suche, sei in technisch aufwendig ausgestatteten Studios wie dem Production Lab des ligeti zentrums oder dem Multifunktionsstudio der HfMT nämlich noch immer am besten aufgehoben. Anstelle einer präzisen Verräumlichung ließen die Snappi-Lautsprecher neue künstlerische Strategien in den Fokus rücken – im Theaterkontext zum Beispiel, oder bei Live-Performances im öffentlichen Raum. „Im Vergleich zu fest installierten Lautsprechern sind bewegliche Klangquellen noch längst nicht ausgereizt“, ist der InnoLab-Leiter überzeugt. „Mir geht es um die Flexibilität und eine schöne Erlebnisqualität. Mit Snappi-Lautsprechern kann ich mir ein Surround-System im Park aufhängen. Oder ich habe Personen, die den Sound quer durch den Raum tragen.“ Vor allem das batteriebetriebene, frei skalierbare Setup böte praktische und sicherheitstechnische Vorteile. „Man muss sich schlichtweg keine Gedanken über Kabel, Stolperfallen, Hänge- oder Installationsfehler machen.“

Wenn mir die Mitten nicht reichen, dann hole ich mir einfach noch ein paar Tenöre in meinen Chor

Mittlerweile verfügt das InnoLab über rund 25 Snappi-Lautsprecher. „Ich verstehe die Lautsprecher als ein Orchester mit verschiedenen Stimmen“, erklärt Jacob Sello. „Natürlich singt eine Bassstimme anders als ein Sopran. Wenn mir die Mitten nicht reichen, dann hole ich mir einfach noch ein paar Tenöre in meinen Chor.“ Der Code der Snappi-Software steht über GitHub längst frei und offen bereit. Und das nächste Gehäuse? Das entsteht mit dem Start des 3D-Druckers.

Titelfoto: Prof. Dr. Jacob Sello
Dieser Beitrag erschien im Oktober 2026 in Print in Ausgabe 39 der zwoelf, der Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 

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Mon, 19 Oct 2026 08:03:00 +0000

Diskurs in Fragmenten: Über einen Sound-Sampler, der sich dem Zufall bedient

Er stand unter anderem schon auf dem Kanalplatz des Harburger Binnenhafens, auf Kampnagel, vor dem Lüneburger Theater und auf einem Schulhof in Neugraben-Fischbek – der record-o-mat, eine alte grüne Telefonzelle, die Passanten zum Innehalten und Sprechen einlädt. Dort, wo früher einmal ein Hörer war, leuchtet heute ein roter Schriftzug. „rec“, kurz für „record“, signalisiert, dass der record-o-mat aufnahmebereit ist. Wer ins Mikrofon spricht, findet den eigenen Beitrag kurz darauf in einer Soundkomposition wieder. Zunächst aber übernimmt der Zufall.

Der record-o-mat fragmentiert die Beiträge, vermischt sie zufällig und kombiniert die Audiofragmente kontinuierlich neu. Den zufallsbasierten Audio-Sampler entwickelten Joana Welteke und Nadja Rix 2019 im gemeinsamen Bachelorstudiengang Expressive Arts in Social Transformation an der MSH Medical School Hamburg. Seither optimieren sie die Technologie und das äußere Erscheinungsbild des record-o-mats – auch im ligeti zentrum.

record-o-mat – Telefonzelle auf dem Hafenplatz des Harburger Binnenhafen
Auf dem Hafenplatz des Harburger Binnenhafens kam die grüne Telefonzelle für die Feedbackgenerierung zum Einsatz

Aus Idee wird Konzept

Seine erste Soundcollage schnitt das Duo in einem freiwilligen Semesterprojekt. Doch das Arrangieren und Komponieren der Audioaufnahmen rückte alsbald eine grundlegende Erkenntnis in den Vordergrund. „Uns fiel auf, wie viel Macht wir haben“, erklärt Joana Welteke. „Zu entscheiden, welches Audiofragment bleiben darf und welches nicht.“ Diese Entscheidung galt es, auszulagern.

Wie so häufig, wenn Ideen auf fruchtbaren, kreativen Boden fallen, ging es plötzlich ganz schnell. „Wir brauchen ein Aufnahmetool und stellen es in den öffentlichen Raum“, erinnert sich Joana Welteke an den Ideenprozess, der innerhalb weniger Minuten das Grundgerüst des Konzepts offenbarte. „Und dann brauchen wir etwas, wo wir es reinbauen – eine Telefonzelle!“

Auf dem Gebrauchtmarkt wurden die Sozialkünstlerinnen fündig. Die grün gestrichene Telefonzelle stand zuvor auf einem Campingplatz und entsprach genau der Vision: Sie war bezahlbar und weder heruntergekommen noch perfekt restauriert – das goldene Mittelmaß, schließlich sollte sie Menschen im öffentlichen Raum ansprechen und einladen, eigene Aufnahmen einzusprechen.

Um den zufallsbasierten Algorithmus auch für Zuhörende und passive Passanten interessant zu machen, schraubten die Entwicklerinnen schon bald an den ersten Parametern. Damit der Sound-Sampler neu eingesprochene Beiträge möglichst zeitnah verwertet, integrierte Joana Welteke etwa Wahrscheinlichkeiten. „Menschen sollen Lust bekommen, die Telefonzelle erneut zu betreten und vielleicht sogar auf sich selbst zu reagieren“, erläutert Nadja Rix. Um den spielerischen Charakter zu unterstreichen und die Aufmerksamkeit der Zuhörenden zu fördern, kommen neben Overlappings und Pausen mittlerweile auch Echos, Pitch- und Lautstärkevariationen zum Einsatz. „Das macht die Aufnahmen zu einer Art Komposition, die auch künstlerisch anmutet.“

Eine schwarze Telefonzelle im Foyer des Hamburger Schauspielhauses: Wer in den Hörer spricht, hört Fragmente der eigenen Beiträge schon bald in der Soundcollage

Filtern oder nicht filtern?

Je nach Einsatzort des record-o-mats wandele sich die einleitende Fragestellung. So konnte die Technologie bereits als Gästebuch, zur Feedbackgenerierung und im Kontext der Erinnerungskultur genutzt werden. Was immer gleich bleibe, seien das zugrundeliegende Zufallsprinzip und der Reiz, nicht immer alles kontrollieren zu können.

Mit den Chancen und Risiken des Unvorhersehbaren beschäftigen sich die Sozialkünstlerinnen auch in anderer Hinsicht. Schließlich kontrollieren auch sie nur bedingt, was Besuchende in den record-o-mat einsprechen. „Natürlich möchten wir nicht, dass etwas Illegales wiedergegeben wird“, sagt Nadja Rix. Nahe des Aufnahmeknopfes sei deshalb auch immer ein Hinweis angebracht: Sollten inhaltlich problematische oder gar strafbare Fragmente abgespielt werden, könne man mit eigenen Aufnahmen dagegen anarbeiten oder sich auf direktem Wege bei den Entwicklerinnen melden. Im Zweifel werde das System neu gestartet und der Inhalt zurückgesetzt. „Einen Filter einzusetzen, ist natürlich eine hochpolitische Angelegenheit“, räumt Nadja Rix ein. „Anstatt Aufnahmen vollends zu löschen, würden wir problematisches Material lieber transformieren.“ Eine Idee sei es, entsprechende Fragmente rückwärts abzuspielen. „Dann ist der Inhalt nicht mehr erkennbar, aber sehr wohl, dass sich in der Aufnahme etwas wiedergefunden hat, was nicht in Ordnung gewesen ist.“

record-o-mat – RISE_Neugraben Fischbek_Telefonzelle auf einem Schulhof
Mal Telefonzelle, mal handliches Telefon: Die Technologie des record-o-maten setzen die Entwicklerinnen Joana Welteke und Nadja Rix in vielfältigen Kontexten ein

Diskurs dank Telefonapparat

Um all diese Ideen in die Programmierung zu integrieren und den Sound-Sampler mittelfristig zu einem skalierbaren Tool voranzutreiben, arbeitet Joana Welteke im ligeti zentrum an neuen Prototypen. Zugleich entstehen stetig neue Verbindungen und Kooperationen – mit externen Partnern aus der Region ebenso wie mit Mitgliedern des ligeti zentrums. So entstand nicht zuletzt der diskurs-o-mat, eine mobile und handliche Version des record-o-mats, verpackt in einem alten Gabeltelefon, das ohne großen Aufwand in Innenräumen genutzt werden kann. Auch in anderen Projekten und einer Residency kam der Algorithmus bereits zum Einsatz. Das Ziel – „die Ur-Idee“ der Telefonzelle und ihrer integrierten Technologie – aber bleibe noch heute dieselbe wie ganz zu Beginn: „Wir möchten, dass der record-o-mat durch die ganze Stadt wandert und Dialoge fördert. Zum Beispiel an den Endhaltestellen von U-Bahn-Linien, von der HafenCity bis Billstedt oder Mümmelmannsberg.“

Titelfoto: Piet Koenekoop
Dieser Beitrag erschien im Oktober 2026 in Print in Ausgabe 39 der zwoelf, der Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 

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Thu, 15 Oct 2026 08:09:00 +0000

Sound Bananas auf der Ars Electronica: Ein spielerischer Zugang zu Klang und Bewegung

Wie klingt eine Schaukelbanane? Auf dem Ars Electronica Festival in Linz konnten Besucher:innen das selbst herausfinden. Mit seiner interaktiven Installation Sound Bananas war Quirin Nebas vom Artistic Research Lab des ligeti zentrums vom 9. bis 13. September 2026 beim international renommierten Medienkunstfestival vertreten. Die positive Resonanz und zahlreiche neue Kontakte gaben wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Projekts Klangskulpturen.

Seit 1979 bringt das Ars Electronica Festival Kunst, Technologie und Gesellschaft zusammen. Unter dem Motto „Negotiating Humanity – Future Begins“ verwandelte es vom 9. bis 13. September 2026 zahlreiche Orte im österreichischen Linz in Ausstellungsräume für internationale künstlerische und technologische Projekte. Im OK Quarter, genauer gesagt im Elisabethinengarten, lud Quirin Nebas die Besuchenden dazu ein, mit seinen Sound Bananas Klänge durch Bewegung zu erzeugen und gemeinsam zu experimentieren.

„Es war auf jeden Fall ein sehr guter Test“, resümiert Quirin Nebas seinen Festivalauftritt. Besonders wertvoll sei es gewesen, die eigene Arbeit im internationalen Kontext zu erleben und mit anderen Projekten zu vergleichen. „Die Bananenen-Installation hat mir eine gute Grundlage gegeben, zu verstehen, wie die anderen Installationen des Projekts funktionieren müssen.“

Klangskulpturen auf dem Ars Electronica Festival 2026: Im Elisabethinengarten stellte Quirin Nebas (Artistic Research Lab) die Installation „Sound Bananas“ aus | Foto: Quirin Nebas
Klangskulpturen auf dem Ars Electronica Festival 2026: Im Elisabethinengarten stellte Quirin Nebas (Artistic Research Lab) die Installation „Sound Bananas“ aus | Foto: Quirin Nebas
Klingende Schaukelbananen im Elisabethinengarten in Linz: Auf dem Ars Electronica Festival konnten Besucher:innen die interaktive Installation testen | Fotos: Quirin Nebas

Schaukelbananen, die zum Musizieren einladen

Die Sound Bananas bestehen aus bananenförmigen Schaukelobjekten mit integrierter Elektronik. Wer sich daraufsetzt, wippt oder die Objekte in Bewegung versetzt, erzeugt musikalische Klänge. Die Installation lädt dazu ein, den eigenen Körper als Instrument zu entdecken und Klang auf spielerische Weise zu erfahren. Dabei können mehrere Personen gleichzeitig aktiv werden und ihre Bewegungen zu einem gemeinsamen Klangerlebnis verbinden.

Das Konzept ging in Linz auf: Auf den gut besuchten Festivaltagen nutzten zeitweise rund 100 Menschen pro Stunde die Installation. Die Rückmeldungen fielen positiv aus. Besonders Kinder und Jugendliche probierten die Bananen mit großer Begeisterung aus. Aber auch Erwachsene und ältere Besucher:innen ließen sich auf das ungewohnte Instrument ein. Die einfache Bedienung erwies sich dabei als besondere Stärke. Wer das Konzept einmal verstanden hatte, konnte direkt loslegen. Eine kurze Anleitung vor Ort half zusätzlich beim Einstieg.

Weniger ist manchmal mehr

Für den Sounddesigner Quirin Nebas bot der Festivalauftritt auch eine Gelegenheit, die eigene künstlerische Herangehensweise zu reflektieren. Zwischen zahlreichen technisch aufwendigen und interaktiven Arbeiten sei die intuitive Nutzung der Sound Bananas positiv hervorgestochen. „Ein einfaches Konzept zahlt sich aus“, lautet eine der zentralen Erkenntnisse. Gerade auf einem mehrtägigen Festival mit vielen unterschiedlichen Eindrücken müsse eine Installation schnell zugänglich sein, ohne dabei an Tiefe zu verlieren, so der Projektverantwortliche.

Die Sound Bananas setzen genau hier an: Ihre Funktionsweise ist unmittelbar erfahrbar, während das Zusammenspiel der Klänge Raum für eigene Entdeckungen lässt. Wer gemeinsam mit Freund:innen oder Fremden musiziert, kann gezielt aufeinander reagieren. Doch auch ohne vorherige Absprache entsteht ein gemeinsamer Klangraum, in dem die Bewegungen und Töne verschiedener Menschen gleichzeitig hörbar werden.

Sound Bananas, The Ear Wants to Hear | Foto: Quirin Nebas
Die Installation „Sound Bananas“ ist ein Teil der interaktiven Ausstellung „The Ear Wants to Hear“ | Foto: Quirin Nebas

Perspektiven für die Zukunft

Für die Weiterentwicklung der Sound Bananas nimmt Quirin Nebas vor allem technische Erkenntnisse mit: Bei der intensiven Nutzung zeigten sich vereinzelte Probleme mit Kabelverbindungen. Um die Installation skalierbar zu machen, soll nun nachgebessert werden. Das grundlegende Konzept habe sich dagegen bewährt. So habe die Ars Electronica gezeigt, wie viel Potenzial in einem einfachen, körperlich erfahrbaren Zugang zu Klang steckt – und wie aus individuellen Bewegungen ein gemeinsames Erlebnis entstehen kann.

The Ear Wants to Hear – Ausstellung im Dezember nochmal erleben

Im Sommer 2026 waren die Sound Bananas bereits als Teil einer Solo-Ausstellung des Projekts Klangskulpturen zu sehen. Die Ausstellung The Ear Wants to Hear – Interaktive Klangskulpturen wird am Tag der offenen Tür des ligeti zentrums (5. Dezember 2026) auf dem Exhibition Floor im 7. Stock erneut ausgestellt. Dann heißt es wieder: schaukeln, ausprobieren und experimentieren.

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Tue, 13 Oct 2026 12:08:58 +0000

Save the Date! 5.12.2026 – Tag der offenen Tür im ligeti zentrum

Disziplinen im Dialog – Entdecke, wie Künste, Wissenschaft, Gesundheit & Technologie gemeinsam klingen! Am 5. Dezember 2026 öffnet das ligeti zentrum zum zweiten Mal alle Türen zu seinen Projekten und Labs. Die diesjährigen Highlights: ein zusätzlicher Exhibition Floor mit interaktiven Ausstellungen und ein Science-Slam im Production Lab.

Interdisziplinarität ist ein Wort, das uns im akademischen Alltag immer wieder begegnet. Aber wie sieht die Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen in der Praxis aus? Diese Frage beantwortet das ligeti zentrum seit 2023 in Hamburg-Harburg. In seinen zwei Clustern – „Musik und Gesundheit“ und „Ideen-, Wissens- und Technologietransfer“ – arbeiten Wissenschaftler:innen und Künstler:innen von HfMT, HAW, TUHH und UKE gemeinsam an den gesundheitsfördernden Potenzialen von Klang und Musik, an neuen Technologien für die künstlerische Arbeit sowie an multimedialen Formaten, die gesellschaftliche Teilhabe und öffentlichen Austausch fördern. Das Ergebnis: Skulpturen, die über die eigene Körperbalance zum Klingen gebracht werden. Roboter, die musizieren. Instrumente, die in der Mixed Reality gespielt werden. Gemälde, die klingen und virtuell zum Greifen nah erscheinen. Sensoren für die präventive Bewegungsanalyse von Musikern – und vieles mehr.

Die Vielfalt des ligeti zentrums lässt sich besser zeigen als erklären

Insgesamt mehr als 35 Projekte kurz und verständlich zu erklären, sei manchmal gar kein so leichtes Unterfangen, erklärt Nadine Schwalb. Als Leiterin der Agentur für Vermittlung und gesellschaftliche Teilhabe kuratiert sie das ganze Jahr über ein buntes Veranstaltungsprogramm für Kinder, Familien und Erwachsene. Mit Blick auf das große Ganze ist sie überzeugt: „Die Vielfalt des ligeti zentrums lässt sich besser zeigen als erklären.“ Rückblickend auf Projekte, die zu individuellen Ausstellungen herangewachsen sind, zahlreiche öffentliche Workshops und interaktive Performances sowie regionale und überregionale Kooperationen, die das ligeti zentrum in diesem Jahr prägten und vorantrieben, endet 2026 daher erneut mit einer gebündelten Präsentation von Projekten, Ideen und Fragestellungen.

Disziplinen im Dialog: Entdecke, wie Künste, Wissenschaft, Gesundheit & Technologie gemeinsam klingen!

Am 05. Dezember 2026 ist es wieder soweit: Das ligeti zentrum lädt zu seinem zweiten Tag der offenen Tür ein. Unter dem diesjährigen Motto „Disziplinen im Dialog“ können Besucher:innen und Interessierte von 11 bis 18 Uhr entdecken, wie Künste, Wissenschaft, Gesundheit und Technologie gemeinsam klingen.

Auf zwei Stockwerken gibt es Prototypen und Demos zum Testen, Musikdarbietungen zum Lauschen und viele interaktive Formate zum Mitreden und Mitmachen. Ein Highlight: ein zusätzlicher Exhibition Floor, auf dem die interaktiven Ausstellungen „The Ear Wants to Hear“ und „Moving Sound Pictures“ zu sehen sind. 

strg+alt+ligeti: Vier Projekte im Wettbewerb – ein Science-Slam des ligeti zentrums

Den Abschluss des Tages feiern wir ab 19 Uhr mit einem besonderen Format. Beim Science-Slam „strg+alt+ligeti“ geben vier Mitglieder des ligeti zentrums ihre Forschung zum Besten. Das Ziel: das Publikum begeistern, inspirieren und mitreißen – und das in nur zehn Minuten und auf humoristische Art. Wem das am besten gelingt? Darüber entscheiden der Applaus und die Publikumsjury! 

Komm uns am 5. Dezember 2026 im ligeti zentrum besuchen! 

Tag der offenen Tür: 11–18 Uhr 
Science Slam: 19–21 Uhr 

ligeti zentrum, Veritaskai 1, 21079 Hamburg 

 

Weitere Informationen und das vollständige Programm folgen in Kürze.

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Sun, 11 Oct 2026 09:29:17 +0000

Bessere Erkenntnisse durch gute Feldarbeit: Worauf es bei der Rekrutierung von Meinungsgebenden ankommt!

Ende 2024 suchte ich für einen UX-Test einen Rekrutierungspartner. Der Screener war ungewöhnlich umfangreich, die Auswahlkriterien komplex, die Quoten eng gefasst. Alles basierte auf umfangreichen Persona-Beschreibungen.

Als ich unserem Kunden berichtete, wie schwierig die Suche nach Felddienstleistern war, fragte er:
„Hast du schon Helena von VISiiO angefragt?“.
Ich kannte Helena nicht, folgte aber natürlich der Kundenempfehlung, und bereute es keine Sekunde.

Auch für Helena und ihr Team war die Aufgabe anspruchsvoll. Sie stellten jedoch umgehend wichtige Fragen: „Welche Merkmale sind zwingend nötig? Warum wird das abgefragt? Habt ihr daran gedacht, dass …!“. Noch vor der Beauftragung bekam ich eine kostenlose, wertvolle „Screener-Beratung“. Helena und ihr Team sahen sich sofort als Partner und Lösungsfinder. Sie wollten verstehen, hinterfragten Vorgaben und dachten mit. Diese Haltung schätze ich bis heute.

Ich besprach ihre Anregungen mit unserem Kunden, wir überarbeiteten die Kriterien und Quoten – und erhielten passende, kommunikative, auskunftsfähige und motivierte  Meinungsgebende: Menschen, deren Erfahrungen uns halfen, die Forschungsfragen zu beantworten und eine fundierte Grundlage für Entscheidungen zu schaffen.

Seit 2025 sind Helena und ich im engen, fachlichen Austausch.

Helena Berghoff von VISiiO im Portrait

Helena Berghoff

Helena hat ihr Unternehmen VISiiO insights 2011 gegründet und führt es seitdem. Sie ist begeisterte Läuferin, Mutter von zwei Kindern und Kölnerin mit Leib und Seele.

Ihre Leidenschaft gilt Menschen und ihren Meinungen.

Für unser Interview wollte ich von ihr genauer wissen, was gute Rekrutierung ausmacht:
Wann helfen Personas, wann führen sie in die falsche Richtung?
Wie erkennt und vermeidet man Fehlrekrutierungen?
Was motiviert Menschen, über Wochen an einer Studie mitzuwirken?
Und was können Auftraggeber selbst zur Qualität der Feldarbeit beitragen?

Helena gibt in unserem Gespräch tiefe Einblicke in eine Arbeit, die für die Qualität der Erkenntnisse aus Studiendaten entscheidend ist – und die doch oft im Hintergrund bleibt und zu wenig Wertschätzung erfährt.

Ich mag das gern ändern!

Personas geben Orientierung – gute Rekrutierung braucht konkrete Studienziele!

Einige, vielleicht sogar die meisten UX- und User-Researcher:innen arbeiten mit Personas. Einmal erstellt, werden sie über längere Zeit hinweg für Studien und in der täglichen Projektarbeit genutzt. Felddienstleister erhalten Persona-Beschreibungen als Grundlage, um passende Teilnehmende für Tests, Fokusgruppen oder Umfragen zu rekrutieren.
Wie sind deine Erfahrungen mit Rekrutierung auf Basis von Personas? Wo funktioniert das gut – und wo wird es problematisch?

Helena: Rekrutierung auf Basis von Personas funktioniert gut, wenn die Persona als Orientierung für relevante Lebenssituationen, Verhaltensweisen und Bedürfnisse dient – nicht als starre Checkliste.

Problematisch wird es, wenn ältere Persona-Beschreibungen ungeprüft für neue Studien übernommen werden oder wenn Merkmale wie Alter, Beruf, Wohnsituation oder Einstellungen an die Stelle des tatsächlich relevanten Verhaltens treten.

„Eine Persona kann ein guter Startpunkt sein, sie ersetzt aber keine studienspezifische Zielgruppendefinition!“

Was noch wichtig wäre zu erwähnen, ist der Erhebungs-Prozess zur Beschreibung von  Personas: Ist dieser entlang der „Zielgruppen-Wahrscheinlichkeiten“ verlaufen oder hat man interne Bilder („Schablonen“) kreiert, für die man passende Personen draußen in der Welt sucht?

Screening: Konstanz schafft Vergleichbarkeit, Anpassung sichert Relevanz!

Ja, das kann ich bestätigen, liebe Helena: Gute Personas entstehen aus tiefgehenden (qualitativen) Erkenntnissen über reale Menschen, über ihre Lebenssituationen, Bedürfnisse und ihr tatsächliches Verhalten. Daraus werden dann Muster verdichtet, die für die jeweilige Zielgruppe relevant sind. Lass uns zurückgehen zum Prozess der Zusammenarbeit auf Basis von Persona-Beschreibungen.

Wenn Personas einmal definiert sind, entsteht leicht die Versuchung auch beim Screening immer wieder auf dieselben Kriterien zurückzugreifen – naheliegend, irgendwie, vermutlich spart es Abstimmungsaufwand intern und gibt ein Gefühl von Sicherheit. Wann ist dieser Sicherheit, wann ist Konstanz beim Screening sinnvoll – und wann sollte man die Rekrutierung stärker an Methode, Fragestellung oder Erkenntnisinteresse einer Studie anpassen?

Helena: Beim Screening ist Konstanz sinnvoll, wenn bestimmte Kriterien für wiederkehrende Tests tatsächlich unverändert relevant sind – etwa die Nutzung eines Produkts oder ein bestimmter Erfahrungsstand. Das schafft Vergleichbarkeit und erleichtert die Zusammenarbeit.

Die Kriterien sollten jedoch regelmäßig überprüft und an Methode, Fragestellung und Erkenntnisziel angepasst werden. Für eine explorative Studie können andere Teilnehmende passend sein als für einen Usability-Test, der konkrete Nutzungserfahrung voraussetzt.

„Ein wiederverwendbares Screening-Gerüst hilft, ein unverändertes Screening für jede Studie kann dagegen systematisch die falschen Personen auswählen.“ 

Wer neue Nutzungssituationen erkunden will, braucht womöglich andere Teilnehmende als ein Team, das einen konkreten Ablauf testen möchte. Ein gemeinsames Grundgerüst spart Zeit. Die Kriterien sollten aber nicht einfach ungeprüft übernommen werden.

Qualität in der Feldarbeit beginnt mit einem guten Briefing!

Wer entscheidet eigentlich über die Vergabe von Rekrutierungsanfragen und -aufträgen?
Welche Rollen und Aufgaben haben die entscheidenden Personen typischerweise in Unternehmen, Agenturen oder Marktforschungsinstituten?

Helena: Wer eine Rekrutierung beauftragt, ist je nach Organisation unterschiedlich. In Marktforschungsinstituten und in Unternehmen kommen die Anfragen in der Regel von Projektleitern oder vom sogenannten Feldmanagement. In Agenturen kümmern sich meist Projekt- oder Research-Leitung darum.

Ich höre immer wieder von Moderator:innen oder Interviewer:innen, die von sehr frustrierenden Situationen berichten: Sie starten eine Studie, sitzen in einer Remote-Interview-Session oder in einem Gruppendiskussionsraum, und merken bereits nach wenigen Minuten, dass die Teilnehmenden eigentlich gar nicht geeignet sind.
Kennst du solche Situationen aus deiner Erfahrung? Und was kann man tun, um solche Fehlrekrutierungen möglichst zu vermeiden?

Helena: Ja, solche Fehlrekrutierungen kommen vor: Im Gespräch zeigt sich dann etwa, dass jemand ein Produkt nicht in der Frequenz nutzt oder ein Produkt mit einem anderen verwechselt hat , die eigene Erfahrung nicht konkret beschreiben kann oder die Auswahlkriterien anders verstanden hat als erwartet.

Das lässt sich durch ein präzises Briefing, verhaltensnahe Screening-Fragen und eine Überprüfung der Antworten auf Schlüssigkeit während des telefonischen Screenings reduzieren. Bei anspruchsvollen Zielgruppen oder besonders wichtigen Studien hilft ein sehr ausführliches Vorgespräch, die studienspezifische Passung bzw. Eignung der Teilnehmenden vorab einzuschätzen.

„Auch müssen Rekrutierungspartner frühzeitig wissen, welche Kriterien unverzichtbar sind und wo Flexibilität möglich ist.“

Ein gemeinsames Briefing seitens des Aufraggebers zum Projektstart kann in der Regel sehr positiven Einfluss auf das gesamte Projekt ausüben, indem man mit uns wichtige Hintergrundinformationen zur Studie teilt, die uns helfen in den Screening-Gesprächen die richtigen Akzente zu setzen oder Nuancen im Aussageverhalten der potentiellen Teilnehmenden besser zu deuten und die Auswahl zu verfeinern.

Das hat unmittelbaren Einfluss auf den Qualitäts-Output der Rekrutierung!

Blackbox Rekrutierung? – gute Feldarbeit ist transparent und nachvollziehbar!

Woran merkt man eigentlich, dass eine Studie mit den falschen Teilnehmenden durchgeführt wurde?

Helena: Falsche Teilnehmende erkennt man oft daran, dass ihnen der Bezug zur untersuchten Situation fehlt. Sie können wichtige Aufgaben nicht nachvollziehen oder bleiben bei ihren Antworten sehr allgemein, statt von konkreten Erlebnissen zu erzählen.

Manchmal zeigt sich auch, dass mehrere Personen die Auswahlkriterien ganz unterschiedlich verstanden haben. Einzelne ungewöhnliche Antworten beweisen noch keine Fehlrekrutierung.

„Entscheidend ist, ob die Stichprobe insgesamt die Forschungsfrage beantworten kann.“

Ebenso problematisch sind stark voneinander abweichende Interpretationen der Screening-Kriterien oder eine Gruppe, die zwar z.B. zu einer Persona passt, aber nicht zum Ziel der Studie.

Uns passiert das aber so gut wie nie.

Wie geht ihr bei VISiiO vor, um genau solche Situationen zu verhindern, um Fehlrekrutierungen zu vermeiden?
Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine qualitativ hochwertige Rekrutierung?

Helena: Bei VISiiO setzen wir auf passgenaue, nachvollziehbare Rekrutierung statt auf eine Black-Box-Auswahl.

Dazu gehören ein gemeinsames Verständnis der Zielgruppe und Ausschlusskriterien, die Prüfung von Screening-Antworten und – je nach Projekt – eine zusätzliche Einschätzung der Eignung vor dem finalen Einsatz.

Bei schwierigen Zielgruppen oder erhöhtem Qualitätsbedarf kann eine unabhängige Prüfung der Profile und Dokumentation sinnvoll sein (gemeinsam mit unserem Auftraggeber).

Für uns sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren

  • ein gutes Briefing,
  • präzise und verhaltensnahe Kriterien,
  • transparente Kommunikation,
  • realistische Zeitplanung sowie die
  • Bereitschaft, bei neuen Erkenntnissen/Abweichungen nachzusteuern.

Unser Motto ist „über den Screener hinausdenken“, die unmittelbaren Screening-Erlebnisse mit der Zielgruppe reflektieren und in einen Zusammenhang mit den Zielen der Studie setzen.

So findet ein Auswahl- und Reinigungs-Prozess innerhalb der Rekrutierung statt. Das Ergebnis sind dann gute und sehr engagierte Meinungsgebende.

Was Studienteilnehmende motiviert – und über Wochen engagiert hält!

Du beschäftigst dich intensiv mit der Motivation von Menschen, die an qualitativen Studien teilnehmen. Was treibt Menschen an, sich bei Studien zu engagieren und ab und an auch über mehrere Tage oder Wochen bei einer Tagebuchstudie aktiv mitzuwirken?

Helena: Oft spielen Neugier und der Wunsch eine Rolle, die eigene Erfahrung einzubringen. Auch ein persönlicher Bezug zum Thema und eine faire Aufwandsentschädigung können motivieren.

Bei einer Tagebuchstudie oder einer Online-Community über mehrere Tage oder Wochen kommt noch etwas dazu: Die Aufgaben müssen verständlich und gut machbar sein (keine monotonen Abfragen), die Betreuung sollte verlässlich sein und die Teilnehmenden sollten merken, dass ihre Beiträge ernst genommen werden.

Eine wichtige Rolle spielt auch, dass die Teilnehmenden sich im besten Fall intuitiv z.B. auf einer Community-Plattform bewegen können, ohne technische Hürden, die demotivierend wirken oder sogar zu Abbrüchen führen können.

Gute Rekrutierung braucht Austausch – und das schon vor dem Auftrag!

Lass uns noch einmal auf die Zusammenarbeit zwischen UX-/User-Research-Teams und Rekrutierungspartnern schauen. Wie sieht aus deiner Erfahrung eine gute Zusammenarbeit aus – etwa bei regelmäßigen UX- oder Usability-Tests?

Helena: Eine gute Zusammenarbeit mit einem Rekrutierungspartner beginnt früh. Es reicht meist nicht, nur eine Persona und eine Quote weiterzugeben. Hilfreich ist zu erklären, welche Erkenntnisse die Studie liefern soll und woran man passende Teilnehmende erkennt.

Der Rekrutierungspartner sollte seinerseits offen ansprechen, was realistisch ist, wo Risiken liegen und wie viel Zeit die Suche nach geeigneten Teilnehmenden voraussichtlich braucht.

Bei regelmäßigen Tests können feste Abläufe und ein gemeinsames Screening-Grundgerüst den Alltag erleichtern – solange man es für jede neue Studie noch einmal prüft.

Rekrutierung für Langzeitstudien: Eine Zusage allein reicht nicht!

Bei Tagebuchstudien oder Online-Communities sind Teilnehmende häufig über mehrere Wochen involviert. Was muss bei der Rekrutierung und Vorbereitung der Teilnehmenden hier besonders beachtet werden?

Helena: Bei Tagebuchstudien und Online-Communities müssen Verfügbarkeit, Verbindlichkeit und digitale Teilnahmemöglichkeiten besonders sorgfältig geprüft werden.

Vorab sollten Teilnehmende genau wissen, wie lange die Studie dauert, wie häufig Beiträge erwartet werden, welche Art von Beiträgen erwartet werden (Text, Videos oder Fotos) wie viel Zeit einzelne Aufgaben beanspruchen und welche technischen Voraussetzungen gelten. Eine kurze Einführung, klare Aufgabenstellungen, Erinnerungen und erreichbare Ansprechpersonen unterstützen die Teilnahme.

Außerdem sollte die Rekrutierung nicht nur die anfängliche Zusage, sondern die realistische Bereitschaft zur kontinuierlichen Mitwirkung berücksichtigen.

Die Teilnehmenden und Meinungsgebenden sollten genau wissen, wie lange die Studie dauert, wie häufig Beiträge erwartet werden und wie viel Zeit die Aufgaben ungefähr kosten. Eine kurze Einführung, klare Aufgaben, Erinnerungen und eine erreichbare Ansprechperson machen es leichter, dranzubleiben.

Zum Abschluss: Wenn du UX- und User-Research-Teams einen einzigen Rat geben könntest, bevor sie eine Studie starten: Welcher wäre das?

Helena:

„Definiert vor der Rekrutierung, welche konkreten Erfahrungen und Verhaltensweisen ihr für die Forschungsfrage braucht – und prüft jedes Persona-Merkmal daran, falls ihr mit Personas arbeitet.“

Liebe Helena, vielen Dank für Deine Einblicke und dafür, dass Du jeden Tag zeigst, wie viel Sorgfalt und Mitdenken hinter guter Rekrutierung steckt.
Ich freue mich auf unseren weiteren Austausch, und darauf, gemeinsam Fragen aufzugreifen, die uns in der UX- und User-Forschung beschäftigen.

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Wed, 07 Oct 2026 13:38:06 +0000

Musizierende Gehirne und ein klingender Tisch: Bei der SuedKultur-MusicNight werden mathematische Modelle in Musik übersetzt

Am 10. Oktober 2026 ist es wieder soweit: Zum nunmehr 16. Mal bringt die SuedKultur-MusicNight 2026 die Musikszene in Harburg zusammen. Auch das ligeti zentrum ist erneut mit dabei. Im Production Lab heißt es ab 17 Uhr: „Bühne frei für Klang à la Carte!“ Präsentiert wird ein musikalisches Dinner, zu dem jeder Act seine eigenen Zutaten beisteuert.

Mit dabei sind die mathematisch beeinflussten Klanglandschaften von Dr. Simon Linke (InnoLab) und Prof. Dr. Rolf Bader. Das Duo musiziert seit ein paar Jahren zusammen – zuletzt sogar in China. Dabei verwenden sie die sogenannte Impulse Pattern Formulation (IPF) – einen physikalischen Modellierungsalgorithmus, der Klänge, Rhythmen und großräumige Formen erzeugen kann. Was halten die Musiker für die MusicNight parat?

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Ihr eröffnet die MusicNight im Production Lab des ligeti zentrums mit einer 30-minütigen Performance, bei der die Impulse Pattern Formulation (IPF) zum Einsatz kommt. Was hat es mit diesen mathematischen Algorithmen auf sich?

Simon Linke: Ich kombiniere IPF und andere mathematische Modelle aus den späten 1980er-Jahren, um Instrumente zu bauen, die so klingen, wie ich es will, sich aber tatsächlich auch wie richtige Instrument artikulieren. Mich hat an traditionellen Synthesizern schon immer gestört, dass man am Ende nur Knöpfe drückt. Und dann passiert immer dasselbe. Mithilfe der IPF kann ich auch Gegenstände so intuitiv spielen, wie ein klassisches, akustisches Instrument – ohne Synthesizer-Knöpfe programmieren zu müssen.

Für die MusicNight haben wir neue IPF-Instrumente gebaut und uns neue Klänge überlegt. Während der Performance improvisieren wir, um neue Klanglandschaften zu erschaffen.

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Wie sehen diese Instrumente aus?

Simon Linke: In diesem Fall ist das auf den ersten Blick ein einfacher Tisch. Die Oberfläche kann ich anschlagen, ähnlich wie die Saite einer Gitarre. Das digitale System, das daran geknüpft ist, kann ich immer wieder anpassen, sodass es sich ständig verändert und damit ständig anders ist.

Klanglich steckt da aktuell ein Stück von einer Zither und einer Blockflöte drin – aber eben auch die natürlichen Eigenschaften, die eine Tischoberfläche mit sich bringt. Im Nachklang kann ich den Pickup von E-Gitarren koppeln. Das ist das Tolle an der IPF: Man hat eine Gleichung für alle möglichen Instrumente und kann einzelne Bauteile von Instrumenten quasi frei kombinieren.

Foto: Jakob Mewes

ligeti zentrum: Wie sehen diese Instrumente aus?

Simon Linke: In diesem Fall ist das auf den ersten Blick ein einfacher Tisch. Die Oberfläche kann ich anschlagen, ähnlich wie die Saite einer Gitarre. Das digitale System, das daran geknüpft ist, kann ich immer wieder anpassen, sodass es sich ständig verändert und damit ständig anders ist.

Klanglich steckt da aktuell ein Stück von einer Zither und einer Blockflöte drin – aber eben auch die natürlichen Eigenschaften, die eine Tischoberfläche mit sich bringt. Im Nachklang kann ich den Pickup von E-Gitarren koppeln. Das ist das Tolle an der IPF: Man hat eine Gleichung für alle möglichen Instrumente und kann einzelne Bauteile von Instrumenten quasi frei kombinieren.

Die IPF funktioniert auch als Gehirnmodell

Rolf Bader: Die IPF funktioniert auch als Gehirnmodell. Mein Instrument ist eine Ansammlung von Gehirnen, denen man Input gibt, ehe man sie für sich selbst laufen und Stimmen produzieren lässt. Das können Froschtöne sein oder Vogelgezwitscher, aber auch alle möglichen anderen Tiere. Die einzelnen Gehirne kopple ich miteinander, sodass sie einander zuhören und aufeinander reagieren. Zusammen bilden sie ihren kleinen Dschungel.  

ligeti zentrum: Woher stammt die Inspiration für diesen besonderen Gehirn-Synthesizer?

Rolf Bader: Letztes Semester habe ich ein Seminar zu Astromusikologie an der Universität Hamburg gegeben. Darin ging es um die Frage, wie Leben auf anderen Planeten wohl klingen würde. Das müssten nämlich auch selbstorganisierende Systeme sein – sonst wäre es kein Leben.

Eine NASA-Sonde hat bereits erste elektromagnetische Wellen und Radioaktivität auf dem Jupitermond aufgezeichnet, die in für Menschen hörbare Töne übersetzt wurden. Wenn da wirklich Leben ist, könnte man die Klänge abgleichen und rekonstruieren, wie diese Aliens gebaut sein müssten. Für den Moment haben wir uns diese Aliens erstmal selbst gebaut.

Foto: Jakob Mewes

Für den Moment haben wir uns diese Aliens erstmal selbst gebaut

ligeti zentrum: Eure Performances sind durch Improvisation ausgezeichnet. Ihr improvisiert aber nicht nur miteinander, sondern ebenfalls mit den Instrumenten. Wie fühlt sich das an?

Rolf Bader: Die Gehirne funktionieren in der Tat wie eigenständige Lebewesen. Und die machen nicht immer, was man will.

Simon Linke: Wir haben gelernt, wie man sie beeinflussen kann. Wenn Elemente aus der Reihe tanzen, kann man versuchen, sie zu überzeugen. Aber dasselbe gilt auch für uns beide: Man weiß nie richtig, was der andere macht. Das ist der Spaß an der Sache. Was passiert, ergibt sich live.

SuedKultur-MusicNight 2026 @ ligeti zentrum: Klang à la Carte!

Zur SuedKultur-MusicNight 2026 lädt das ligeti zentrum Künstler:innen mit unterschiedlichen Handschriften und Einflüssen zu einem musikalischen Dinner. Jeder Act bringt seine eigenen Zutaten mit: von mathematisch beeinflussten Klanglandschaften über vertonte chinesische Gedichte bis hin zu Instrumenten, die sich gegenseitig steuern.

 

10. Oktober 2026, 17:00–23:30 Uhr
Production Lab, ligeti zentrum (10. Stock)
Eintritt: 7,50 Euro

 

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Tue, 06 Oct 2026 04:06:10 +0000

Vertrauen als Grundlage für empowered Product Teams: Wie man durch Delivery trust aufbaut

Shape Up in practice, Ryan Singer and Daniel Neuberger

🇬🇧 Read the English version.

Ein Team, das mehr Verantwortung übernehmen möchte, muss zunächst zeigen, dass es mit seiner aktuellen Verantwortung umgehen kann. Das klingt einfach. Ist es aber nicht.

Viele Product Teams wissen, wie gute Produktarbeit aussieht. Sie haben die Bücher gelesen. Sie waren auf den richtigen Konferenzen. Sie verstehen Discovery, Strategie und Outcomes.

Aber am Montagmorgen bekommen sie trotzdem Anforderungen vorgesetzt. Das Product Team wird darauf reduziert, die Lösung anderer umzusetzen.

Hier ist die unbequeme Wahrheit:

Empowerment kann nicht einfach erklärt werden. Vertrauen muss man sich verdienen. Und dieses Vertrauen beginnt mit Delivery.

Der Artikel enthält auch ein Gespräch mit Ryan Singer über „Shape Up“ als Tool für Product Delivery. Das Video findet ihr im Artikel.

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Mon, 28 Sep 2026 11:09:54 +0000

strg+alt+musik: Das war der Science Slam der Off-ICMC 

Ein Künstler:innen-Duo, drei Künstler und ein Thema: „strg+alt+musik: Musik in unserer digitalen Zeit“. Der Science Slam im Kultur Palast Harburg ging als Highlight der Off-ICMC hervor. Die kreativen Beiträge können nun auch online abgespielt werden.

Es war ein besonderer Abend im frisch sanierten Kultur Palast Harburg: Mit der ersten größeren Veranstaltung infolge der Schließung für Umbauarbeiten durfte das ligeti zentrum am 12. Mai 2026 erneut die Bühne freigeben. Beim Science Slam strg+alt-musik traten drei Künstler und ein Künstler:innen-Duo gegeneinander an. Das Motto: „Musik in unserer digitalen Zeit“ – zugänglich gemacht durch die humoristischen Beiträge der internationalen Präsentierenden und eine Simultan-Übersetzung über Bluetooth-Kopfhörer. Als Gewinner des Abends ging der US-amerikanische Komponist und Forscher Walker Smith hervor, der bereits 2025 als Resident zu Gast im ligeti zentrum war. Er überzeugte die Publikumsjury mit seiner Bühnenpersona Roy G. Biv und seinem interaktiven Vortrag über musikalische Chemie.

Der Abend bleibt als ein Highlight der Off-ICMC in Erinnerung. Das vom ligeti zentrum organisierte Begleitfestival zur International Computer Music Conference machte die aktuelle Forschung zu computergestützter Musik für über 400 Besuchende zugänglich. Nun stehen die Science-Slam-Beiträge von Karl Geber und Karina Erhard, Victor Gelling, Riccardo Mazza, und Walker Smith auch auf YouTube zur Verfügung.

Großes Kino im Kultur Palast Harburg: Der Science Slam ging als Highlight der Off-ICMC hervor | Foto: Daria Radler
Großes Kino im Kultur Palast Harburg: Der Science Slam ging als Highlight der Off-ICMC hervor | Foto: Daria Radler

Karl Gerber & Karina Erhard (DE): Virtuosität visualisiert

Gerade in Zeiten eines allgegenwärtigen KI-Hypes möchte das Publikum bei Live-Elektronischer Musik Vertrauen in eine direkte, unverfälschte Virtuosität der Performer gewinnen. Wie?

Seit 2019 arbeiten Karl F. Gerber und Karina Erhard als Duo an der Schnittstelle von Komposition, Improvisation, Elektronik und Performance. Ihr Fokus: das Zusammenspiel von Mensch und Maschine als unmittelbares Klangerlebnis. Zentral sind Gerbers automatisierte „Autoreninstrumente“ – von Violine und Zither bis zu Blockflöte oder Talking Drum –, erweitert durch Sensorik und interaktive Systeme. Die Stücke entstehen experimentell zwischen Konstruktion, Programmierung und Improvisation und wurden international bei Formaten wie NIME, CMMR und der ICMC präsentiert. Arbeiten wie „Limit“, „Produktionsmittel“ oder „Corporeality – in Honour of Harry Partch“ verbinden Flöten, mikrotonale Instrumente und automatisierte Klangapparate; mit „Four Strings not for Strings“ werden sogar Playstation-Controller zu Instrumenten. Mehrere Auszeichnungen – darunter Preise bei CMMR und Matera Intermedia sowie Filmpreise in Bangkok – unterstreichen ihre internationale Resonanz. Gerber entwickelt seit den 1980er-Jahren musikmechatronische Echtzeit-Systeme, Erhard ist als Flötistin in der zeitgenössischen Musikszene aktiv und gastierte u. a. bei der Münchener Biennale und den Darmstädter Ferienkursen. 

Victor Gelling (DE): Now my Life is Sweet like Cinnamon. Komplette Kontrolle? Zwischen X-Box, Keyboards und Tanzmatten

„Ich bin der Musikant mit Taschenrechner in der Hand.“ So oder so ähnlich beschrieben Kraftwerk sich und viele andere Computernerds, die tagein, tagaus vor ihren Computer sitzen und sich dabei immer wieder eine Frage stellen: Wie kontrolliere ich einen Klang, der keinen physikalischen Regeln folgen muss? Controller und Interfaces sind genau diese Knöpfe, Flächen und Objekte, mit denen elektronische Klänge nicht nur gebaut, sondern auch gespielt werden. Sie übersetzen Berührungen, Bewegungen und manchmal auch Zufall in Sound. Manche erinnern an Instrumente, andere eher an Werkzeuge oder Spielzeug. In diesem Vortrag geht es darum, wie diese Dinge funktionieren und warum sie für viele Musiker:innen so spannend sind. Was passiert eigentlich, wenn man einen Regler bewegt? Wie wird daraus Musik? Wo hört Technik auf und wo beginnt Ausdruck? Und muss man das überhaupt noch trennen? „Und wenn ich diese Taste drück, wird er ein kleines Musikstück gespielt!“

Victor Gelling (*1998 in Berlin) ist Komponist:in und Improvisator:in. Mit Saiteninstrumenten, unter Anderem Kontrabass, Tenorbanjo, Pedalsteel-Gitarren sowie Synthesizern und selbst programmierten Computerprogrammen erzeugt they Klänge von Jazz über Noise bis hin zu elektrischen Cowboysongs und komplexer Musik, die in Werken mit NOW MY LIFE IS SWEET LIKE CINNAMON, dem Antiphon-Orchestra, der Alternative-Country-Band Slowklahoma, Solowerken oder dem Spiel im Jorik Bergman Trio Gehör finden. Victor studierte Jazz-Kontrabass und Improvisation an der HfMT Köln. Victor gehört dem Vorstand der Kölner Jazzkonferenz e.V. an, ist Mitglied des impakt-kollektivs Köln und verwaltet das kollektiveigene Label impakt-records. Konzertreisen führten durch Europa, Nord- und Südamerika. Zu Festivalauftritten zählen das Acht-Brücken-Festival Köln, das Festival Warschauer Herbst, die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, die Cologne Jazzweek und das Festival de La Habana de Música Contemporánea (Kuba).

Riccardo Mazza (IT): Sonic Earth: A Real-time Journey Through Environmental Data (ENG)

Sonic Earth ist eine interaktive Reise, die Umweltdaten in eine lebendige musikalische Landschaft verwandelt. Das Publikum erlebt eine „klangliche Weltreise“, bei der eine Live-Verbindung zu Wetterstationen und Satelliten-APIs Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schadstoffwerte aus verschiedenen Ecken der Welt erfasst und in musikalische Kompositionen verwandelt, in der der Wind die Texturen formt und das Klima die Harmonie bestimmt. Sonic Earth erkundet, wie Technologie uns helfen kann, durch die universelle Sprache des Klangs wieder eine Verbindung zur Erde herzustellen.

Riccardo Mazza ist Komponist, Klangkünstler und Forscher mit Schwerpunkt auf der Wahrnehmung von Klang. Er unterrichtet Neue Technologien an der Hochschule für Musik (APM) in Saluzzo und ist Gründer der Experimental Studios in Turin. Im Laufe seiner Karriere hat er an innovativen Technologien für Kino und Musik gearbeitet, mit renommierten Künstlern zusammengearbeitet und Software für immersives Audio entwickelt. Sein neuestes Projekt, Sonic Earth, wurde weltweit präsentiert.

Walker Smith (USA): Musical Chemistry (ENG)

Wie würden Atome klingen? Ist das Periodensystem ein Musikinstrument? Feiern Heliumatome Tanzpartys? In diesem Vortrag nimmt euch der in Regenbogenfarben gekleidete „musikalische Chemiker“ Roy G. Biv mit auf eine Reise durch die Klänge der molekularen Welt. Mithilfe von Datensonifikation übersetzt er die von Atomen abgegebenen Lichtfrequenzen in für uns hörbare Klänge und schafft so für jedes Element einen einzigartigen mikrotonalen Akkord. Anhand seines interaktiven musikalischen Periodensystems wird er zeigen, wie er diese Lichtfrequenzen der Elemente genutzt hat, um musikalische Klangfarben, Tonleitern, Akkorde und ganze Kompositionen zu entwerfen. Er wird auch erläutern, wie seine Sonifikationsansätze die menschliche Hörwahrnehmung berücksichtigen und welche Strategien zur Klangtransformation uns ermöglichen, mehr Klangdetails zu hören und gleichzeitig ihren harmonischen Charakter zu bewahren. Als weltweit erster „musikalischer Chemiker“ erweitert er die Sonifikation zur (Per-)Sonifikation und erweckt die Klänge der molekularen Welt durch Helium-Tanzpartys und magische alchemistische Schlagzeuge zum Leben.

Walker Smith ist der weltweit erste „musikalische Chemiker“. Er stammt ursprünglich aus Knoxville, Tennessee, und ist derzeit Doktorand im Bereich computergestützte Musiktheorie und Akustik am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) der Stanford University. Er hat Bachelor-Abschlüsse in Chemie und Musikkomposition an der Indiana University Bloomington. Er kreiert pädagogische Multimedia-Performances, die Musik und Wissenschaft miteinander verbinden, darunter „The Sound of Molecules“, das er bereits vor Tausenden von Zuschauern in den Vereinigten Staaten und Europa aufgeführt hat. Im Rahmen eines Fulbright-Stipendiums in den Niederlanden entwickelte er das „Interactive Musical Periodic Table“, ein Projekt, das auf einer Tagung der American Chemical Society vorgestellt wurde. Im Sommer 2025 war er Artist-in-Residence und Forscher am Ligeti Zentrum in Hamburg. Dort entwickelte er eine neue Show mit dem Titel „The Well-Tempered Periodic Table“, die Sonifikationen chemischer Elemente mit akustischen Instrumenten, Publikumsinteraktion und Lichtdesign kombiniert. Er hat seine Sonifikationsforschung und Kompositionen auf Konferenzen und Festivals präsentiert, darunter AudioMostly, die International Conference on Auditory Display, die Sound and Music Computing Conference, die International Computer Music Conference und das New York City Electroacoustic Music Festival. Außerdem hat er ein Kapitel zu dem von Eduardo Miranda herausgegebenen Buch Advances in Quantum Computer Music beigetragen. Seine Forschungs- und Performancepraxis konzentriert sich vor allem auf die wissenschaftlichen, pädagogischen und musikalischen Möglichkeiten, das Periodensystem in ein Musikinstrument zu verwandeln und molekulare Musik zu schaffen. Walker ist Goldwater-Stipendiat und Knight-Hennessy-Stipendiat.

Über die besten Beiträge des Science Slam entschied das Publikum | Foto: Daria Radler
Über die besten Beiträge des Science Slam entschied das Publikum | Foto: Daria Radler

Save the Date: Der nächste Science Slam des ligeti zentrums steht an!

Das Format des Science Slams geht im ligeti zentrum schon bald in die nächste Runde. Unter dem Motto „strg+alt+ligeti“ geben am Tag der offenen Tür vier Mitglieder des ligeti zentrums ihre Forschung zum Besten. Los geht es am 5. Dezember 2026 um 19 Uhr im Production Lab. Weitere Informationen folgen in Kürze.

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Thu, 24 Sep 2026 12:44:33 +0000

Trust as the Foundation of Empowered Product Teams: How to Earn Trust Through Delivery

Shape Up in practice, Ryan Singer and Daniel Neuberger

🇩🇪 Zu diesem Artikel gibt es auch eine Deutsche Fassung.

A team that wants more responsibility has to demonstrate that it can handle its current level of responsibility first. That sounds simple. It is not.

Many Product Teams know what great product work looks like. They have read the books. They have been to the conferences. They understand discovery, strategy, outcomes.

But on Monday morning they are still getting handed requirements. The Product Team is reduced to just delivering someone else’s solution.

Here is the uncomfortable truth:

Empowerment cannot be declared. Trust has to be earned. And earning it starts with delivery.

The article also features a conversation with Ryan Singer about “Shape Up” as a tool for product delivery. You’ll find the video embedded in the article.

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Tue, 11 Aug 2026 15:48:59 +0000

Ein ziemlich unscharfes Bild eines Lokals. Hinten an der Wand das Logo vom UX Roundtable. Vorne der Text: "UXHH@25 CLASSIC TABLE"

Nach 25 Jahren laden wir einmal mehr zum Roundtable Classic ein.
25.8.26 bei MAMA neben dem Hamburger Rathaus.
Anmeldung: uxhhclassic2026.eventbrite.de

Mon, 22 Jun 2026 10:45:07 +0000

an old GAMEBOY. on the screen: uxHH Roundtable Video Game Edition

Mark the date: 8-Jul-2026. Reserve a (free) spot. On-site in Hamburg-Hoheluft or online.
Our next Roundtable is on the UX of Video Games – retro and new /with Dina Elaraby and Meik Mense-Koch
More info: uxhh.de/#roundtable
RSVP on eventbrite: eventbrite.de/e/uxhh-roundtabl

Sun, 03 May 2026 09:17:52 +0000

Eine Glaskugel vor einem Dämmerungshorizont. Darunter 4 Portraits. 2 Frauen. 2 Männer
Text: 28.5. UX-Design im Wandel

Roundtable am 28.5.26 :: Die Zukunft von UX Wer sind wir morgen und wenn ja, wie viele? – mit den Panelistas Sabine von Nordheim, Thomas Latus, Sabine Hipp und @wolfbruening

Infos: uxhh.de/#roundtable
Tickets: eventbrite.de/e/uxhh-roundtabl

in Hamburg

Sat, 14 Mar 2026 17:18:47 +0000

Du bis ein UX-Blogger aus Hamburg oder Deine Firma in der Metropolregion Hamburg hat einen Blog und kümmert sich um die UX von Produkten und Services? Dann nehmen wir gerne Deinen RSS-Feed für auf.
Denn das Syndikat fließt wieder mprove.de/blogs/rss/index.php?

( Jetzt schon im Menü; und bald auch direkt auf der Site uxhh.de )

Sun, 01 Feb 2026 11:02:44 +0000

9 kleine Fotos mit Impressionen vom Event. Publikum und Referent und ein Beamer-Bild

Fotos – Feedback – Referenzen zum UX Roundtable mit Thorsten Barré "AUF" uxHH >> uxhh.de/roundtable/archiv/inde

Thu, 08 Jan 2026 19:40:59 +0000

Save the date & get your ticket now for the Hamburg UX Roundtable on 29-Jan-2026 :: Thorsten Barré from on "One UX to rule them all? Multi-Touchpoint UX für die ZDF Streaming-Plattform"

uxhh.de/#roundtable

Fri, 05 Dec 2025 07:49:01 +0000

night scene with a christmas market and a ship. lots of lights and reflections

Will you join us at the uXmas gathering at Fleetinsel Christmas Market next Tuesday Dec-9?
Info and registration via eventbrite >> eventbrite.de/e/uxmas-gatherin

Mon, 17 Nov 2025 21:06:45 +0000

Der als Foto-Galerie zum Nachschauen und -schwelgen
photo.mprove.net/gallery/25/wu

/zusammengestellt von @mprove

World Usability Day
2025

Thu, 21 Aug 2025 15:05:52 +0000

Stefani Rohrbeck zu Gast im Roundtable am 9.9.25

User Experience ist Wandel. Um nicht immer den gleichen Quark zu produzieren, müssen auch Abläufe in Design- und Produktteams verändert werden. Wie gelingt es uns, Teams auf neue Ziele einzunorden? Stefani diskutiert mit uns die Bedingungen für erfolgreiche Transformationen.

Infos und (kostenfreie) Tickets :: uxhh-change.eventbrite.de/

Tue, 29 Jul 2025 09:15:03 +0000

Impressionen vom wunderbaren »UX and the FUTURE«-Roundtable bei prismeo.
Vielen Dank an Kai Klopsch und Jan Maas für die Gastfreundschaft; an Kai auch für seinen Vortrag!

Bilder: photo.mprove.net/gallery/25/ux

/photos @mprove et al.

Mon, 16 Jun 2025 14:32:13 +0000

Offenbar ein Lokal mit einem UXR-Plakat an der Wand. Außerdem eine Lampe aus roten kleinen Flaschen

Herzliche Einladung zum Sommer-uxHH-Dinner-Roundtable am Montag, den 14.Juli bei mama neben dem Rathaus.
Tickets: uxhh-summer-2025.eventbrite.de/

Mon, 21 Apr 2025 16:14:41 +0000

Eine LED-Konsole. Zulesen: MAY 26 2025. UX and the FUTURE

SaveTheDate :: Roundtable am 26.5.2025 in der Hamburger HafenCity. Kostenlose Early Bird Tickets gibt es ab sofort via uxhh.de/#aktuell

Thu, 13 Feb 2025 10:08:46 +0000

Ein Blick auf uxhh.de

(und etwas mehr) für Hamburg

Mon, 13 Jan 2025 20:53:20 +0000

Holzlettern zeigen spiegelverkehrt: UXWRITING

"Erfolgsfaktor UX-Writing" – Sichere Dir jetzt ein kostenfreies Ticket für den nächsten Roundtable am 30.1. mit Isabelle von Moeller und Sebastian Kopp:
Infos und Ticket: uxhh.de/

Thu, 24 Oct 2024 12:21:45 +0000

Panel mit 5 Leuten. Im Hintergrund ein Zebrastreifen mit den Worten: Design for Good or Evil.

Designing for a Better World 🌎 🌍 🌏 Noch 3 Wochen bis zum WUD (World Usability Day) am 14. November – Live an der HAW Finkenau. Wir treffen uns und laden Euch alle herzlich zu Diskussionen und Vorträgen rund um Design, Accessibility/Zugänglichkeit, sowie Nachhaltigkeit ein.
Organisiert wird der kostenlose Spätnachmittag von uns und dem SUX-Netzwerk.

Programm und kostenfreie Tickets via wudhh.de/

Wed, 16 Oct 2024 09:17:44 +0000

is back. Save the date or (even better) get your free ticket for 14-Nov-2024 :: wudhh.de/